Verkehrskonzept

KURZ – KONZEPT

für eine

„Verbesserung des Verkehrsgeschehens in Idstein“

(Diskussionspapier zur positiven Beeinflussung der Verkehrsstrukturen in der Innenstadt)

Stand 8/16

 

  1. Vorwort – Aufgabenstellung

Im Januar 2016 berief die Bürgerinitiative Idstein „Meine Altstadt“ eine 3köpfige Arbeitsgruppe „Verkehr“ ins Leben mit dem Ziel, Anregungen und Vorschläge für eine positive Beeinflussung des Verkehrsgeschehens in der Innenstadt von Idstein zu erarbeiten. Diese Vorschläge sollen der Stadt zur weiteren Entwicklung der Verkehrsstrukturen dienen.

Auslöser für diese Initiative ist die seit Jahren von vielen Bürgern und am Wirtschaftsgeschehen Beteiligten festzustellende Parkraumknappheit einerseits, sowie die zunehmende Behinderung eines zügigen Verkehrsflusses andererseits.

Gerade in unserem ländlich strukturierten Gebiet, in dem der Kraftfahrzeug-Verkehr dominiert, ist die Erreichbarkeit des Zentrums mit einem ausreichenden Parkraumangebot von entscheidender Bedeutung.

Dies gilt für Idstein als wirtschaftlichem und kulturellem Mittelpunkt (Mittelzentrum) und seiner weiteren mittel- bis langfristigen Entwicklung in besonderem Maße.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass alle Vorschläge der Arbeitsgruppe sich

  • an den vorhandenen Verkehrsstrukturen,
  • unter Wahrung des städtebaulichen Charakters,
  • der historisch wertvollen Altstadt und
  • den nur bedingt zur Verfügung stehenden finanziellen Ressourcen

orientieren und sich im Ergebnis realistischerweise nur aus einer Vielzahl an Einzelmaßnahmen zusammensetzen können.

Vor diesem Hintergrund und insbesondere wegen der „Komplexität“ der Thematik war sich die Arbeitsgruppe weiterhin von Anbeginn an bewusst, dass sie weder fachlich noch kapazitätsmäßig die Arbeit eines  sonst üblicherweise mit der

„Entwicklung einer intelligenten, integrierten Verkehrsentwicklungsstrategie/eines intelligenten Verkehrskonzeptes“

durch Kommunen beauftragten Ingenieurbüros für Verkehrswesen leisten kann und nicht leisten wollte.

In der weiteren Betrachtung blieben daher die Themenfelder:

  • Aktuelle Verkehrszahlen/Durchlaufzahlen auf den wichtigsten Verkehrsachsen inkl. einer Fortschreibung bis 2020,
  • Verkehrssicherheit,
  • ÖPNV mit dem Stadtbussystem „de Idstaaner“   (NVP,
  • Erreichbarkeit von und nach Idstein, Vertaktung etc.)
  • Ökologische Aspekte (Emissions- und Immissionsbelastungen)
  • Radwege

und andere verkehrspolitische Themen außer Ansatz.

Die Arbeitsgruppe hat sich daher hinsichtlich ihrer weiteren Vorgehensweise ausschließlich auf die beiden Themenfelder:

  • „ruhender Verkehr“ (Parkraumangebot) und
  • „fließender Verkehr“

fokussiert.

Da der AG bei Berichtsabfassung künftige städtebauliche Entwicklungen und deren Planungen im Detail nicht bekannt waren wie bspw. Löherplatz/Busbahnhof, HL-Bebauung, Escher-Straße-Bogen-Bebauung, Verlagerung des Postamtes, Fresenius-Campus-Bau, Wiesbadener Straße (Planung Bücher) u. a. m., konnten insoweit künftige Auswirkungen auf das Angebot an Stellplätzen und auf den fließenden Verkehr ebenfalls nicht näher beleuchtet werden, müssen aber vor Abschluss eines Verkehrs- und Parkraumkonzeptes von den Entscheidungsträgern berücksichtigt werden.

 

  1. Ruhender Verkehr – Parkraumkonzept

Öffentliche Parkräume zählen zu den Anlagen des „räumlichen Verkehrs“ und dienen als Abstellfläche für Fahrzeuge. Sie bilden somit einen wichtigen Bestandteil der Verkehrsinfrastruktur und haben Einfluss auf den gesamten Verkehr eines Siedlungsgebietes und seiner Umgebung.

Bei der Bereitstellung von Parkraum spielen die

–      Fahrtzwecke (Berufs- und Ausbildungsverkehr, Einkaufs-, Besucher-, Freizeit- und Wirtschaftsverkehr),

–     Gebietstypen ( Kerngebiete, Altstadtgebiet, Wohngebiete, Gewerbe- und Industriegebiete) und

–      Bereiche mit zentralen Einrichtungen

eine wichtige Rolle.

Vor diesem Hintergrund ist nicht nur die verkehrliche Erreichbarkeit der Innenstadt, sondern auch die Bereitstellung eines ausreichenden und leicht erreichbaren Parkraumangebotes von zentraler Bedeutung. Beide Faktoren bestimmen maßgeblich die „Funktionsfähigkeit“ einer Stadt.

Die städtischen Gremien haben im Juni 2010 die Dorsch Consult GmbH mit der Erstellung eines „Integrierten Parkraumkonzeptes für den ruhenden Verkehr im Bereich der Innenstadt“ unter gleichzeitigem Aufzeigen von “Angebotsschwächen und Potentialen unter Stadtentwicklungsaspekten“, im folgenden DC-Gutachten genannt, beauftragt. Dieses kommt im Kern u. a. zu folgenden Ergebnissen:

  1. a) das vorhandene öffentliche Stellplatzangebot beträgt in der Summe aller Parkplätze und Parkräume rd. 1.200 Stellplätze,
  2. b) der Parkplatzsuchende findet i. d. R. zu jeder Zeit in der Innenstadt einen Parkplatz,
  3. c) die straßenbegleitenden Stellplätze sind gut ausgelastet,
  4. d) für Nutzungsverdichtungen oder neue Nutzungen ist deren Bedarf an Parkplätzen separat auszuweisen/herzustellen,
  5. e) aufgrund der hohen Parkraumnachfrage kann ein Entfall von Parkplätzen nicht empfohlen werden.

Die AG Verkehr hat das vorgenannte DC-Gutachten für ihre weiteren Betrachtungen zur Parkraumsituation als Grundlage herangezogen und sich eingehend und in Teilbereichen auch kritisch mit diesem auseinander gesetzt. Aus ihrer Sicht sind zunächst zu den Kernaussagen folgende Anmerkungen zu machen:

zu a)   bei der ermittelten Gesamtzahl von 1.200 Stellplätzen dürfte es sich um eine  „extensive“ Ermittlung handeln, die auch vor dem Hintergrund, dass hierin rd. 321 Stellplätze enthalten sind, die nur mit Sondergenehmigungen nutzbar sind und somit der Öffentlichkeit nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, zu relativieren ist,

zu b)   die Parkraumerhebung lediglich an nur einem Erhebungstag  im Juni und an einem Erhebungstag im September 2010 erfolgte,

zu c) bis e) getroffene Feststellungen decken sich mit eigenen und denen von vielen Bürgern selbst gemachten Erfahrungen.

Nicht nachvollziehbar ist, dass von der Vielzahl an Verbesserungsvorschlägen bzw. positiv zu beurteilenden  Einzelmaßnahmen, die durch den Gutachter im April 2011 erfolgten, durch die politischen Gremien bzw. durch die städtische Verwaltung bis heute   keine – für die Arbeitsgruppe  erkennbar –  umgesetzt wurden.

Die AG Verkehr kommt im Ergebnis zu folgenden Anregungen und skizziert aufgrund der seit Gutachtenvorlage bis heute eingetretenen zeitlichen Distanz eigene Vorschläge in loser Reihenfolge und ohne Prioritätssetzung.

2.1 Integriertes Parkraumkonzept Idstein aus 2010

Das von der Dorsch Consult Verkehr GmbH im April 2011 der Stadt Idstein vorgestellte Konzept ( DC-Gutachten) für den ruhenden Verkehr im Bereich der Innenstadt, welches derzeitige Schwächen aber auch mögliche Potentiale aufzeigt, wird von der AG Verkehr im Wesentlichen unterstützt. Im Ergebnis schließt sich die AG Verkehr den vom Gutachter festgestellten Tatsachen, dargestellten Sachverhalten sowie der tatsächlichen Beurteilung der Parkraumsituation – ausgenommen der zuvor unter a) und b) dargestellten Sachverhalte –  voll umfänglich an.

Der vom Gutachter dargestellte Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Parkraumsituation ist entsprechend des Prioritäten-Katalogs (s. DC-Gutachten, Ziff. 5, S. 60) durch die Stadt anzugehen und Zug um Zug umzusetzen.

2.2 Zusätzlicher öffentlicher Parkraum

Unstrittig hat sich die Parkraumnachfrage seit der DC-Gutachtenerstellung weiterhin erhöht, da in diesem Zeitraum der Pkw-Bestand stärker zugenommen hat und das Angebot an öffentlichen Parkraum seither stagniert.

Für die Zunahme der Parkraumnachfrage sprechen u. a. folgende Kennzahlen:

Die Einwohnerzahl erhöhte sich unter Berücksichtigung von Zu- und Wegzügen von rd. 23.700 im Jahr 2010 auf rd. 24.500 im Jahr 2015 (Quelle: Einwohnermeldeamt der Stadt Idstein). Diese 750 neuen Einwohner entsprechen statistisch rd. 375 Haushalten. Letztere verfügen statistisch zu 82 % über einen oder mehrere Pkw.

Die Pendlerbewegung erhöhte sich ebenfalls auf nunmehr 4.967 Einpendler werktäglich (Quelle: Strukturdaten Stadt Idstein). Diese dürften überwiegend den privaten Pkw oder den ÖPNV auf dem Weg zur Arbeit nutzen.*

Die Anzahl an Studenten der Hochschule Fresenius erhöhte sich auf nunmehr rd. 2.000 (2016). Auch dieser Personenkreis pendelt zu einem erheblichen Teil mittels Pkw  zu den Vorlesungen.*

(*kein belastbares Zahlenmaterial hinsichtlich der tatsächlichen Nutzung der unterschiedlichen Verkehrsträger vorhanden)

Insofern kommt es zu einer verstärkten Verkehrsbelastung einerseits sowie zu vermehrten Nutzungskonflikten zwischen den unterschiedlichen Verkehrsarten andererseits. Auch werden bei hohem Nutzungsdruck vermehrt Geh- und Radwege, Grünstreifen, Ladeflächen, Feuerwehraufstellflächen u. a. m. verbotswidrig zugeparkt (s. auch DC-Gutachten,  S. 34).

Vor diesem Hintergrund hält die AG Verkehr es für erforderlich, dass ein angemessenes Parkraumangebot künftig so vorgehalten wird, dass die Belange von Einzelhandels-Kunden, Bewohnern, Beschäftigten, HS-Schülern, Besuchern und Touristen ausreichend Berücksichtigung finden.

2.2.1 Herstellung zusätzlichen öffentlichen Parkraums

Aufgrund der ausgeprägten Nachfrage nach Parkraum, die zu einer angespannten Auslastung des öffentlich zur Verfügung stehenden Parkraumangebotes führt und zur Vermeidung unnötigen Verkehrsaufkommens durch Parkplatzsuche (in Großstädten 30 Prozent) ist nach Meinung der AG Verkehr mittelfristig zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Stadt  (siehe vor) zusätzlicher öffentlicher Parkraum herzustellen.

Für die Akzeptanz dieses neuen Parkraumes durch die Verkehrsteilnehmer ist die zentrale Lage entscheidend! Nur die fußläufige, d. h. die schnelle und bequeme Erreichbarkeit der Altstadt mit ihrer Fußgängerzone in einer bis zwei Minuten wird zu einer höheren Kundenfrequenz für den dort ansässigen Einzelhandel und die Gastronomie und somit letztlich zu einer generellen Belebung der Innenstadt durch Passanten und Touristen führen.

Durch Neubaupläne für das ehemalige HL-Gelände wurde die einmalige Chance -sowohl aus verkehrstechnischer als auch aus städtebaulicher Sicht – vertan, das angrenzende Parkdeck Am Hexenturm als Parkraum mit der stärksten Parkraumnachfrage entsprechend zu erweitern.

Insofern bietet sich aus Sicht der AG Verkehr als einzig derzeit erkennbarer Standort, der die vorgenannten Voraussetzungen erfüllt, der bereits vorhandene öffentliche Parkplatz an der Wagenerstraße an. Die dort vorhandene Kapazität ließe sich für Kurzparker durch eine Überbauung/Aufstockung eines Parkdecks (z. B. durch eine kostengünstige Stahl-Skelett-Konstruktion, die anschließend begrünt wird – analog Giraffen-Käfig Wiesbaden) verdoppeln. Parallel hierzu wäre durch Absprache mit dem Eigentümer der Verbindungsweg/Fußweg zur Wiesbadener Straße und somit zur Fußgängerzone, die in einer bis 2 Minuten erreichbar ist, verkehrssicher durch die Stadt herzustellen und für die Abend-/Nachtstunden mit einer Beleuchtung zu versehen).

Die Zufahrt würde sich bei Realisierung des unter Ziff. 3.1 beschriebenen Szenarios ändern (s. Anlage „Verkehrsführung“).

2.2.2 Schaffung zusätzlichen Event-Parkraums / Temporäre Parkplätze für Großveranstaltungen

Für Großveranstaltungen wie bspw. Idstein Jazz-Festival oder auch für mittelgroße Veranstaltungen/Shopping-Events (z. B. Idsteiner Frühling, Summer in the City, Weinfest, Herbstmarkt, Sternennacht, Weihnachtsmarkt) sollten – soweit erforderlich – verstärkt zusätzliche temporäre Park- bzw. Pkw-Stellflächen bei der Verkehrsplanung derartiger Veranstaltungen einbezogen werden.

An temporären Reserveparkplätzen stehen folgende Kapazitäten (in Abstimmung mit den Eigentümern), gegliedert nach zeitlicher Verfügbarkeit, zur Verfügung:

  1. a) Wochenend-Veranstaltungen von freitags bis einschl. sonntags:

ERNST SCHMITZ-Logistics/Van Hees-Logistics, Black & Decker Straße

Ellring-Klinger, Rich.-Klinger- Straße

Park & Ride Parkplatz, L 3026 (Limburger Straße/B 275)

Park & Ride Parkplatz am Bahnhof

HS Fresenius Parkplatz (kein Schulunterricht), Wagenerstraße

Parkplatz am Schloss (kein Schulunterricht), Limburger Straße

  1. b) Sonntags-Veranstaltungen:

HIT-Parkplatz, Wiesbadener Straße

Nassau-Carré-Parkplatz, Limburger Straße

Kappus-Anlage-Parkplatz, Am Bahnhof

Obi-Markt-Parkplatz, Black & Decker Straße

Die Inanspruchnahme vorgenannter Reserve-Parkplätze setzt eine entsprechende Beschilderung und optimalerweise eine Vernetzung mit dem ÖPNV bzw. mit Shuttle-Bussen (de Idstaaner ?), die im 15-Min.-Takt oder nach Bedarf pendeln, voraus..

2.2.3 Auslastungsverbesserung der Tiefgaragenplätze

Die Belegungsdaten für die beiden im Stadtzentrum gelegenen Tiefgaragen „Stadthalle“ und „Löherplatz“ weisen lt. DC-Gutachten für den Zeitraum 2002-2009 nahezu durchgängig rückläufige Parkvorgänge auf und verfügen infolgedessen über erhebliche Kapazitätsreserven. Nur in Ausnahmefällen wird eine Auslastung von 50 Prozent erreicht. Auch ist der Umschlag je Stellplatz um mehr als die Hälfte geringer als in den anderen innenstadtnahen Parkierungsanlagen. Eine Verbesserung der Situation wird in einer Modernisierung der beiden Tiefgaragen gesehen (s. DC-Gutachten,  S. 39 u. 65).

Im Frühjahr 2016 wurde mit Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen für eine der beiden Tiefgaragen, der Tiefgarage „Stadthalle“, begonnen. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um in der Bevölkerung und bei den Verkehrsteilnehmern eine höhere Akzeptanz zu erreichen, bleibt  abzuwarten.

Bei beiden Tiefgaragen handelt es sich um Objekte der Parkraumbewirtschaftung, einem Mittel der Verkehrsplanung auf Angebots- oder Nachfrageseite, je nach kommunaler Vorgabe/Zielsetzung.

Eine entsprechende Bewirtschaftung erfolgt i. d. R. dort, wo die Zahl der parkenden Fahrzeuge die Zahl der verfügbaren Parkplätze übersteigt und insofern eine Überschussnachfrage besteht. Genau dies ist jedoch bei den beiden vorgenannten Tiefgaragen nicht der Fall, sondern das Gegenteil. In  beiden Fällen besteht eine Unterschussnachfrage. Insofern erscheint eine Überprüfung des seitherigen Konzeptes der Parkraumbewirtschaftung  für beide Tiefgaragen sinnvoll bzw. notwendig.

Mit der idsteincard – einem Instrument von IdsteinAktiv – wurde bereits die Möglichkeit geschaffen, die Parkgebühren bei ausreichender Punktzahl elektronisch bezahlen zu können, dennoch sollten zur Auslastungsverbesserung weitere Möglichkeiten geprüft werden.

Hierzu bieten sich nach Meinung der AG Verkehr folgende Optionen an:

  1. a) Bezahlmöglichkeit per Handy

Hierbei muss der Nutzer nicht vorab die Parkzeit festlegen. Der Parkprozess beginnt und endet mit einem Anruf bei seinem Handy-Park-Betreiber. Möglicher Nachteil: Der Umschlagsgrad könnte – je nach Gebührenhöhe – sinken.

  1. b) Anteilige Parkgebühren-Vergütung

Bei dieser Form der Tiefgaragennutzung legt der Stellplatz-Nutzer (Verkehrsteilnehmer, die über keine idsteincard verfügen) sein bei der Einfahrt gezogenes Ticket im Falle eines Einkaufs bei einem der Idsteiner Einzelhandelsgeschäfte vor und erhält gegen Vorlage des Tickets eine entsprechende, d. h. anteilige Vergütung in Form von Zeit bzw. Geld.

  1. c) Gebührenfreies Kurzzeitparken (30 Minuten)

Für Kunden, die nur eine kurze Erledigung tätigen möchten (z. B. Apotheke) ist zu prüfen, diesen kostenfreies Parken für die ersten 30 Minuten zu ermöglichen.

  1. d) Gebührenfreies Kurzzeitparken mittels Parkscheibe (max. 2 Stunden)

Nur durch diese Form der Parkmöglichkeit wird aus Sicht der AG Verkehr eine erhebliche Attraktivitätssteigerung bei gleichzeitig erhöhter Akzeptanz und die Sicherung eines hohen Umschlagsgrades der zur Verfügung stehenden Parkflächen erreicht. Diese Form des Kurzzeitparkens ist von Vorteil für die Gewerbetreibenden in der  Innenstadt und dürfte zu einer höheren Kundenfrequenz für diese führen. Parkscheiben könnten von Idstein-Aktiv-Mitgliedern vertrieben und mit deren Werbung versehen werden.

 

 

 

2.3 Finanzielle Ablösung bei Nicht-Herstellung von Stellplätzen

Die Stadt Idstein hat von der Satzungsermächtigung gem. § 44 Abs. 1 HBO, sowie den Bestimmungen der HGO Gebrauch gemacht und entsprechende Regelungen  durch Stellplatzsatzung  i. d. F. vom 2. April 2009 festgelegt.

Durch die Verpflichtung für Bauherren, eine ausreichende Anzahl von Stellplätzen zu schaffen, soll eine Entlastung der öffentlichen Verkehrsflächen durch parkende Pkw sichergestellt werden! Nur in den Fällen, in denen die Schaffung der erforderlichen Stellplatzanzahl nicht möglich ist, besteht die Möglichkeit, diese finanziell abzulösen (Ausnahme-Regelung).

Es besteht Grund zu der Annahme, dass in der Vergangenheit die Anwendung der Stellplatzsatzung durch die Stadt in einigen Fällen zweifelhaft und/oder nicht sachgerecht erfolgte bzw. äußerst extensiv ausgelegt wurde. Auch besteht Grund zu der Annahme, dass es in Einzelfällen zu einer widerrechtlichen Zweckentfremdung von Stellplätzen kam.

Vor diesem Hintergrund ist künftig sicherzustellen, dass die Bestimmungen des § 44 Abs. 2 HBO für Garagen und Stellplätze strikt anzuwenden sind. Gemäß der vorgenannten gesetzlichen Bestimmung sind Geldbeträge (im Falle einer finanziellen Stellplatz-Ablösung) ausschließlich zweckgebunden zu verwenden

– für die Herstellung von zusätzlichen Parkeinrichtungen,

– für die Unterhaltung bestehender Parkeinrichtungen,

– für investive Maßnahmen des ÖPNV oder des Fahrradverkehrs.

In jedem Fall muss die Verwendung des Geldbetrages für die Erreichbarkeit des Bauvorhabens, das die Zahlungspflicht auslöst, einen Vorteil bewirken!

Ergänzend zu den vorgenannten Grundsätzen regt die AG Verkehr an, folgende Option zu prüfen:

Um zu vermeiden, dass gegebenenfalls Investitionen von privaten Bauherren im “historischen Altstadtbereich (Gesamtanlage Denkmalschutz)“ aufgrund rechtlicher, tatsächlicher oder anderer Gründe nicht möglich ist, ist die Stellplatzsatzung dahingehend zu ändern, dass eine Stellplatzablöse nur in diesem Bereich möglich ist.

Für die außerhalb des historischen Altstadtkerns gelegenen Gebiete der Kernstadt Idstein ist zur Entlastung öffentlicher Verkehrsflächen die Herstellung von Stellplätzen in der erforderlichen Anzahl zwingend. Eine Ablösung kann nicht erfolgen.

(s. auch DC-Gutachten S. 49, für Nutzungsverdichtungen/neue Nutzungen ist der Parkplatzbedarf gesondert auszuweisen).

2.4       Zusammenfassung Ruhender Verkehr

Die Dorsch Consult GmbH hat 2010 im Auftrag der Stadt ein „Integriertes Parkraumkonzept für den ruhenden Verkehr im Bereich der Innenstadt“ erstellt. Danach wurde vor sechs Jahren das Parkraumangebot mit knapp 900 öffentlichen Parkplätzen zzgl. rund 300, die nur mit Sondergenehmigungen nutzbar waren, als ausreichend angesehen. Allerdings wurde bereits damals empfohlen, dieses Angebot mindestens zu erhalten und bei Neubauten in der Innenstadt entsprechend zu vergrößern.

Bereits heute entsprechen die DC-Ergebnisse nicht mehr der Wirklichkeit. Steigende Touristen-, Einwohner- und Pendlerzahlen (z.B. HS Fresenius), ein höherer Motorisierungsgrad verbunden mit Neubauten ohne eigene Parkflächen (z.B. Ambach) haben das Parkraumangebot erkennbar knapp werden lassen. Auch der projektierte Neubau mit einem dm-Markt, Büros und Wohnungen (ehemals HL-Gelände) weist – soweit erkennbar – nicht die erforderliche Anzahl an Stellplätzen auf und wird die Parkraumsituation in der Innenstadt sowie den Parksuchverkehr weiter verschärfen.

Da ausreichender Parkraum für eine lebendige Innenstadt überlebenswichtig ist, kann eine Lösung nur in einem zusätzlichen innenstadtnahen Parkhaus (z.B. in der Wagenerstrasse) liegen. Daneben sind weitergehende Maßnahmen wie die Planung von Eventparkräumen auf bestehenden Flächen oder zur Auslastungsverbesserung der Tiefgaragen notwendig. Außerdem sollten die diversen Vorschläge aus dem DC- Gutachten nach sechs Jahren nunmehr in die Tat umgesetzt werden.

Notwendig ist weiterhin die Einhaltung der Stellplatzsatzung: die Politik darf nicht bei jedem Investor nach kreativen Ausnahmemöglichkeiten suchen. Und wenn wirklich keine ortsnahen Parkplätze geschaffen werden können, muss die finanzielle Ablösung Gesetzes- und Satzungskonform, bzw. zweckgebunden (!) verwendet werden.

 

  1. Fließender Verkehr

Die verkehrliche Erreichbarkeit der Innenstadt von Idstein ist – ebenso wie in anderen Städten – einem ständigen Wandel unterzogen. Dies wird u. a. an der Entwicklung des Pkw-Bestandes deutlich. Mangels aktuellen Datenmaterials für Idstein wird im Folgenden hilfsweise auf vorliegendes Zahlenmaterial für den Rheingau-Taunus-Kreis bzw. das Land Hessen zurückgegriffen.

Betrug der Pkw-Bestand in Hessen 1960 noch 87 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner, so erhöhte sich dieser auf 543 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner im Jahre 2014 (ADAC-Statistik). Die Hessen-Statistik beziffert die entsprechende Zahl sogar mit 572 Fahrzeugen.

Der Rheingau-Taunus-Kreis verfügt über eine Pkw-Dichte von 706 Pkw pro 1.000 Einwohner (2010). Damit nutzen erheblich mehr Kreisbewohner einen Pkw als im Landesdurchschnitt, was u. a. auf die überwiegend ländlich strukturierte Region zurückzuführen sein dürfte.

Trends lassen auch für die nächsten Jahre eine weiter steigende Pkw-Dichte und somit Verkehrsbelastung erwarten. So ist bis 2022 mit einem weiter leicht ansteigenden Personenwagenbestand in Deutschland zu rechnen (Shell-Studie).

Darüber hinaus verlassen – wie unter Ziff. 2.2 ansatzweise ausgeführt – werktäglich rd. 12.000 Personen (Ein- und Auspendler) die Stadt oder fahren in diese ein, sowohl in den Morgen- als auch in den frühen Abendstunden. Diese führen zu rd. 24.000 Personenbewegungen, die werktäglich die Stadt mittels Fahrzeugen des ÖPNV oder mit Privatfahrzeugen verlassen oder diese als Ziel erreichen, mit den entsprechenden Auswirkungen sowohl auf den ruhenden (Parkraum) als auch auf den fließenden Verkehr.

Zusammenfassend ist anzumerken, dass allgemeines Wachstum und zu erwartendes spezielles Wachstum für das Mittelzentrum Idstein durch expansive städtebauliche Maßnahmen den Druck auf den ruhenden und fließenden Verkehr in der Innenstadt  weiter erhöhen und  eine Veränderung der verkehrlichen Strukturen erfordern.

Aus den vorgenannten Gründen schlägt die AG Verkehr nachfolgende Einzelmaßnahmen vor:

3.1 Vollsperrung für den Durchgangsverkehr zwischen HS Fresenius-Kreisel und VR-Kreisel

Situation: Die Teilstücke der Wiesbadener Straße und Limburger Straße, zwischen VR-Kreisel einerseits und HS Fresenius-Kreisel andererseits, gehören sowohl in West/Ost-Richtung als auch in Süd/Nord-Richtung zu den verkehrsmäßig am stärksten belasteten Straßenabschnitten in der Idsteiner Innenstadt mit einer Fahrzeugfrequenz von rd. 12.000 Fahrzeugen täglich. Hierbei handelt es sich nach Einschätzung der AG Verkehr überwiegend nicht um Zielverkehr, sondern um sog. Querungsverkehr/Durchgangsverkehr.

Die vorgenannten Straßenabschnitte mit ihren beiden Kreiseln sind u. a. ursächlich dafür, dass es – insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten – zu zäh fließendem bis zum Stillstand führenden Verkehr kommt. Temporäre Rückstaus bilden sich in West/Ost-Richtung einerseits bis zur Katholischen Kirche und darüber hinaus, anderseits über den Handwerker-Kreisel hinaus,  die Tiergarten-Spange hinauf bis zum Kreisel Escher-Straße/Heftricher Straße. In Nord-Süd-Richtung bildet sich zähfließender Verkehr mit zeitweiligen Stillständen bis Einmündung Friedensstraße. Eine Veränderung der innerstädtischen Verkehrsstruktur  – wie nachfolgend skizziert – erscheint kurz- bis mittelfristig erforderlich. Ziel muss es hierbei sein, die meistbefahrene Ost-West-Achse der Stadt in der Mitte zu kappen und für den Individualverkehr zu sperren nach der Devise: Innenherum oder Außenherum aber nicht Mittendurch! Diese Planung steht in Kontext mit der Herstellung zusätzlichen öffentlichen Parkraums wie unter Ziff. 2.2.1 beschrieben.

 

  1. Umsetzung – Gestaltung – Finanzierung:

Für die Umsetzung der Vollsperrung bieten sich aus Sicht der AG Verkehr folgende 2 Phasen an:

Phase I: Einbahnstraßenregelung

Die Phase I kann kurzfristig umgesetzt werden – da zunächst lediglich eine andere Be-/Ausschilderung erforderlich ist – und wird für die Dauer von ca. 1 Jahr angelegt. Sie ist Voraussetzung für die Umgewöhnung der Verkehrsteilnehmer an eine veränderte Verkehrsführung und um in dieser Zeit Erfahrungen zu sammeln für eine in der Phase II noch zu berücksichtigende Feinabstimmung.

Phase I sieht vor, dass der Verkehr von Westen kommend ab VR-Kreisel wie bisher weitergeführt wird, allerdings als Einbahnstraßenregelung bis HS Fresenius-Kreisel. Im Gegenzug wird der Verkehr ab HS Fresenius-Kreisel nach rechts in die Limburger Straße und von dort über die Friedensstraße in die Wiesbadener Straße abgeführt.

(Exkurs: Eine Einbahnstraßen-Regelung in der Idsteiner Innenstadt bzw. eine Vollsperrung für den Durchgangsverkehr ist für viele Bewohner des Idsteiner Landes nichts Neues.  Zur Erinnerung:  Nachdem die Straße am Hexenturm in den 70er Jahren gebaut worden war, führte eine Einbahnstraßen-Regelung von der Kreuzung  vor dem Hotel Goldenes Lamm/Hotel zum Tal (Marktplatz) 2spurig  unter beiden Torbögen der Schlossbrücke hindurch, teilte sich sodann in eine Linksabbiegerspur und in eine Rechtsabbiegespur bis zur Kreuzung an der ehemaligen TV-Turnhalle/Limburger Straße. Hier bog der Linksabbiegerverkehr in die Limburger Straße in Richtung Wiesbadener Straße. Auch dieses Teilstück war als Einbahnstraße 2spurig befahrbar und teilte sich wiederum in eine Linksabbiegerspur und in eine Rechtsabbiegerspur vor der Einmündung zur Wiesbadener Straße. An dieser (heute Apollo-Optik) bog der Linksabbiegerverkehr in die Rodergasse, fuhr um das Rathaus (Killinger-Platz) herum und durch die Himmelsgasse, die sämtlich als  Einbahnstraßen bestanden. Die Schulgasse (Hotel Felsenkeller) war ebenfalls nur als Einbahnstraße von der Rodergasse kommend in Richtung Straße am Hexenturm befahrbar.)

Für die beiden vorgenannten Kreisel erfolgt keine bauliche Veränderung – sie bleiben bestehen, auch in der Phase II, bei der sie u. a. auch als Wendehammer fungieren können.

 

 

Phase II: Vollsperrung

In der Phase II erfolgt die vorgenannte Vollsperrung für den Durchgangsverkehr für den Straßenabschnitt zwischen VR-Kreisel und HS Fresenius-Kreisel.

Durch diese Maßnahme wird die meistbefahrene West-Ost-Achse der Stadt in der Mitte gekappt. Hierbei ist jedoch zu unterstellen, dass der überwiegende Teil der Autofahrer, die das zur Diskussion stehende Teilstück nutzen, gar nicht in die Innenstadt wollen, sondern „reinen Durchgangsverkehr“ abbilden. Für diese bestehen aber andere Möglichkeiten, ihren Zielort zu erreichen, ohne die verkehrsmäßig stark belastete Innenstadt queren zu müssen.

Die beiden vorgenannten Kreisel bleiben – wie zuvor ausgeführt – bestehen und erfüllen weiterhin eine wichtige Verteilerfunktion.

Ab HS Fresenius-Kreisel wird die Einbahnstraßen-Reglung für die Gerichtsstraße umgekehrt, d. h. diese ist vom Kreisel einfahrbar und ermöglicht die Zufahrt zu dem in Idstein am zweitstärksten frequentierten öffentlichen Parkraum Wagenerstraße (s. auch Ziff. 2 Ruhender Verkehr). Von dort wird der abfließende Verkehr wie bisher über die obere Bahnhofstraße abgeführt.

Optional wird die Einbahnstraßen-Regelung in der unteren Bahnhofstraße, zwischen VR-Kreisel und der Straße im Hopfenstück aufgehoben und der vorgenannte abfließende Verkehr (zusätzlich) über die untere Bahnhofstraße in die Wiesbadener Straße abgeführt.

Die beiden Haltestellen vor der Hochschule/Papier Schneider werden geschlossen (verlegt). Die von diesen seither angefahren Linienbusse fahren stattdessen den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) an. Soweit Hochschüler zu den Passagieren zählen, erreichen diese von dort die Hochschule in 1 – 2 Minuten zu Fuß.

Optional bleiben die beiden vorgenannten Haltestellen bestehen, die Durchfahrt für Linienbusse bleibt hierbei frei.

Ab VR-Kreisel bleiben die Zufahrten Bahnhofstraße, Schulze-Delitzsch-Straße mit den beiden Tiefgaragen- Zufahrten, sowie die Ausfahrt aus dem Veitenmühlweg in den Kreisel unverändert bestehen.

Die oben genannte „Vollsperrung für den Durchgangsverkehr“ würde zu folgenden positiven Effekten für die Stadt führen:

–      Rückgewinnung von öffentlichem Raum für die Stadt

–      Grundlegende Aufwertung bzw. Attraktivitätssteigerung der Fußgängerzone, des gesamten Innenstadt- und Altstadtbereiches und deren nachhaltige Stärkung

–      Verbesserung der Aufenthaltsqualität für Innenstadt-Bewohner, Einzelhandels- und  Gastronomie-Kunden, Passanten und Touristen,

–      Möglichkeit, den neugeschaffenen Fußgängerzonenbereich auch als „multifunktionale  Freifläche“ für diverse Veranstaltungen wie bspw. Märkte, Gewerbeausstellungen,  Frühlingsfest, Oktoberfest, Hessen-Jazz u. a., miteinzubeziehen

–      Der  bisher aufgrund des Durchgangsverkehrs trennende Charakter des Fußgängerverkehrs zwischen Rodergasse (Apollo Optik/Schuh Flinner) bis VR-Bank wird aufgehoben

–      Abnahme der Emissions- und Immissionsbelastung.

 

Näheres ist aus der Anlage “Verkehrsführung„ ersichtlich und bedarf der mündlichen Erläuterung.

Gestaltung:

Hinsichtlich einer attraktiven Gestaltung des neugewonnenen öffentlichen Raumes (Umgestaltung der Limburger Straße/Wiesbadener Straße zur erweiterten Fußgängerzone) mit stationären oder mobilen Grünpflanzen, Sitzbänken, Fahrradständern u. a. m. wird angeregt, einen Wettbewerb an der HS Fresenius zwecks möglicher Planungsvarianten auszuschreiben.

Alternatives Szenario:

Nach Beendigung der Probephase sind eine Bewertung und eine qualifizierte Empfehlung hinsichtlich des Erfolges der Phase I und der Zusatzchancen aus Phase II zu erstellen. Die Bürger sind in die Erstellung einzubeziehen. Im Ergebnis könnte es auf eine Beibehaltung der in Phase I beschriebenen Maßnahmen (Einbahnstraßen-Regelung) bleiben. Der auch hierbei zusätzlich gewonnene öffentliche Raum wird – wie zuvor angedeutet – aufgehübscht.

Hierbei kann in einem Teilbereich (Limburger Straße) straßenbegleitetes Kurzzeit-Parken (Schrägstellung) ermöglicht werden.  Weiterhin könnte der vorgenannte Straßenabschnitt für besondere Events/Großveranstaltungen an Wochenenden temporär voll gesperrt  werden (wie unter Phase II beschrieben).

  1. Weitere Einzelmassnahmen

4.1 Freigabe der Busspur in der Straße am Hexenturm

Die für Linienbusse vorhandene, aber gesperrte Busspur in der Straße am Hexenturm ist wieder für diese freizugeben. Dies ist im Kontext der unter Ziff. 3.1 beschriebenen möglichen Maßnahmen zu sehen und betrifft ausschließlich Linienbusse, die von der Gänsberg-Spange kommend nach links den Zentralen Omnibusbahnhof  (ZOB) ansteuern wollen. Gegenwärtig können diese nicht die für Linksabbieger-Busse ausgebildete Busspur nutzen, sondern müssen zunächst den HS Fresenius-Kreisel durchfahren, um sodann nach rechts in den ZOB einfahren zu können.

Eine Freigabe dieser Busspur würde zu einer entsprechenden Entlastung des vorgenannten Kreisels durch 12-Meter-Solo- bzw. 18-Meter-Gelenkbusse führen.

 

4.2 Durchstich Weldertstraße / Erivan-Haub-Kreisel (Wiesbadener Straße)

Der bereits von den Städtischen Körperschaften als Projekt ins Auge gefasste Durchstich von der Weldertstraße zum Erivan-Haub-Kreisel sollte beschleunigt vorangetrieben werden.

Eine Realisierung des Weiterbaus der Weldertstraße in Süd-Richtung am Tournesol-Bad vorbei bis zum Erivan-Haub-Kreisel  würde einen beachtlichen Teil des Kraftfahrzeugverkehrs in Süd-Nord-Richtung und umgekehrt aufnehmen bei gleichzeitiger Entlastung des entsprechen Teilstückes der Umgehungsstraße (B 275) zwischen Ausfahrt Idstein-Mitte und Kreisel Rudolfstraße. Unter Einbeziehung der Walramstraße würde sie eine Art Bypass  (innerstädtischen Westring) bilden. In diese Maßnahme miteinbezogen werden sollte auch  eine Einbahnstraßenregelung für die Maximilianstraße. Diese wird, obwohl für den Durchgangsverkehr nicht vorgesehen, von diesem zwischen Limburger Straße und Telco-Kreisel als solche genutzt.

Von Westen kommend wäre die Einbahnstraßen-Regelung stadteinwärts ab Telco-Kreisel durch die Maximilianstraße bis Höhe  Ziemerweg/Gräfin-Henriette-Dorothea-Weg einzurichten. Umgekehrt wäre die Einfahrt in die Maximilianstraße von der Limburger Straße mit entsprechender Beschilderung (Zufahrt frei bis – wie vor -) zu versehen und mit einem Durchfahrtsverbot ab der Maximilianstraße in Westrichtung ab Gräfin-Henrietta-Dorothea-Weg. Hierdurch bliebe die Zufahrt zum Parkraum des Nassau-Carrées sowie zur REWE-Tiefgarage erhalten.

Neben einer Entlastung der Maximilianstraße vom Durchgangsverkehr käme es durch die vorgenannte Maßnahme zu dem gewollten Nebeneffekt einer stärkeren Frequentierung der Walramstraße.

Näheres ist aus der Anlage „Verkehrsführung“ ersichtlich und bedarf der mündlichen Erläuterung.

 

4.3    Schwerlastverkehr aus dem Gewerbegebiet Frauwald (Ausfahrt Cunoweg /  B 275) zur A 5

Schwerlastverkehr aus dem Gewerbegebiet Frauwald über den Cunoweg mit dem Ziel A 5, stößt an der Einmündung zur B 275 ausschließlich auf nur einen blauen Pfeilwegweiser, der unabhängig vom Fahrtziel (Köln oder Frankfurt), den gesamten Lkw-Verkehr unnötigerweise nach rechts  und entweder über den Kreisel Idstein- Süd zurück, oder aber über die ohnehin stark belastete L 3274 zur Autobahnauffahrt leitet.

Abhilfe würden hier zwei blaue Pfeilwegweiser an der  Einmündung Cunoweg/B 275 schaffen, links Autobahn Frankfurt und rechts Autobahn Köln. Hierdurch würde sichergestellt, dass Lkw-Verkehr mit Fahrtziel Frankfurt an der Einmündung Cunoweg/B 275 direkt nach links abbiegt, um dann ca. 50 Meter weiter auf die entsprechende Autobahnauffahrt einbiegen zu können.

 

4.4 Außenherum statt Mittendurch (Umgehung – „Idsteiner Ring“)

Seit Fertigstellung der sog. „Südtangente“, zwischen B 275 im Westen und L 3026 im Osten, die den Verkehr südlich am Idsteiner Zentrum vorbei auf die Autobahn leitet, verfügt die Stadt über eine komplette „Umgehungsstraße“, die die Stadt ringförmig umschließt und in weiten Bereichen die Bebauungsgrenze markiert (s. Anlage „Verkehrsführung).

Diese Ringstraße setzt sich aus den Teilbereichen B 275 im Westen, von dem Kreisel Idstein-Süd bis Ausfahrt Idstein-Nord, der sich anschließenden L 3026 im Osten bis zum Afrika-Kreisel im Süden und der sich hieran anschließenden Henry-Dunant-Allee fort und trägt dazu bei, unnötigen Pkw- und Lkw-Querverkehr in der Innenstadt zu vermeiden.

Leider hat sich diese Umgehungs- bzw. Ringstraße noch nicht in wünschenswertem Maße bei den Verkehrsteilnehmern als solche ins Bewusstsein eingeprägt.

Es erscheint daher sinnvoll, an den entsprechenden Ausfahrten und der dort vorhandenen Beschilderung ein Zusatzschild „Idsteiner Ring“ auf weißem Grund und der entsprechenden Pfeilung anzubringen (Analog z. B. „1. Ring“, „2. Ring“ in Wiesbaden). Dies würde auch Ortsunkundigen mit Ziel Innenstadt (trotz Navi) die Orientierung erleichtern (s. Anlage „Verkehrsführung“).

 

4.5    Unberechtigter Verkehr im  Altstadtbereich/Fußgängerzone  – Installierung von Pollern

In dem gesamten für den Durchgangsverkehr gesperrten Altstadtbereich/Fußgängerzone haben sich zunehmend Missstände herausgebildet. Zu den Erscheinungsformen gehören u. a.:

  • In ausgewiesenen Spielstraßen wird statt mit Schrittgeschwindigkeit mit wesentlich höherer Geschwindigkeit eingefahren und diese werden auch mit zu hohem Tempo durchfahren (z. B. Weiherwiese).
  • Die zwischen Weiherwiese und Straße Am Hexenturm vorhandenen, herausnehmbaren Pfosten werden von Verkehrsteilnehmern herausgenommen und nicht wieder eingesetzt. Hierdurch können die beiden vorgenannten Straßen als Durchgangsstraße bzw. als Abkürzung benutzt werden.
  • Schleichwege, die sich herausgebildet haben und die von Einheimischen und Ortskundigen benutzt werden.
  • Es kommt in den vorgenannten Bereichen zunehmend zu wildem Parken.

Vor diesem Hintergrund besteht Handlungsbedarf, um unberechtigten Pkw-Verkehr aus der Altstadt bzw. der Fußgängerzone rauszuhalten. Vollautomatisch absenkbare Poller können hier eine Lösung sein, wie diese im Folgenden beschrieben werden.

Pollersysteme werden eingesetzt, um Fahrzeugverkehr zu bestimmten Zeiten zu sperren oder um die Zufahrten zu historischen Zentren, Fußgängerzonen u. a. m. nur bestimmten Fahrzeugen (Anliegern, Taxi, Rettungsdiensten etc.) zu erlauben.

Diese vollautomatisch absenkbaren Poller können mit Hilfe von Steuerungseinrichtungen wie Chipkarten, Funksteuerung (Transponder) nur von autorisierten Personen aus- und eingefahren werden. Transponder werden i. d. R. durch die Stadtverwaltung zufahrtsberechtigten Bürgern gegen eine Kaution in Höhe von x Euro zur Verfügung gestellt.

Die Kosten für vorgenannte Poller belaufen sich je nach Ausführung ab Euro 3.000 plus Einbau.

Vergleichbare Städte, die vollautomatisch absenkbare Poller einsetzen, sind z. B. Eltville, Steinau a. d. Straße.

4.6       Zusammenfassung Fließender Verkehr

Auch hier gilt, dass das Verkehrsaufkommen deutlich zugenommen hat, aber Baugenehmigungen immer noch auf Basis alter Verkehrsschätzungen (z.B. Vorhaben Bücher Escher Straße/Markt 6) konzeptionslos genehmigt werden.

Nach IDSTEIN HOCH 7 und weiteren geplanten vier Großbauten in der Innenstadt rückt die Stadt einem Verkehrsinfarkt immer näher.

Eine Lösung kann sich nur noch aus einer großräumigen Betrachtungsweise ergeben:

–      der Durchgangsverkehr hat im Zentrum Idsteins nichts zu suchen und wird zukünftig i. w. über den Idsteiner Ring geleitet

–      eine Einbahnstraßenregelung zwischen VR- und Fresenius-Kreisel unterstützt die neue Verkehrsführung

–      in einer zweiten Stufe wird auch der Durchgangsverkehr in Gegenrichtung aus der Innenstadt verbannt

–      weitere Einbahnstraßenregelungen unterstützen diese Maßnahmen und regeln die Zugänge zu den Parkflächen der Innenstadt

–      die veränderte Verkehrsführung ist mit geringen Mitteln umsetzbar; außerdem ist zu prüfen, inwieweit finanzielle Mittel aus diversen Landes-, Bundes- und EU-Programmen, zusätzlich in Anspruch genommen werden können.

 

Weitere Aspekte des Verkehrskonzeptes betreffen die Altstadt: eine Reduzierung des ganztägigen Lieferverkehrs muss erreicht werden und der „Durchgangsverkehr Altstadt“ durch Poller an den Altstadteingängen gekappt werden.

 

  1. Finanzierung

Priorisierung und Haushaltslage

Zur Finanzierung der vorgenannten Maßnahmen, insbesondere für die mittelfristig zu realisierenden Maßnahmen zur Beeinflussung des fließenden Verkehrs ist die Inanspruchnahme folgender Möglichkeiten zu prüfen:

  1. a) Umschichtungen im kommunalen Haushalt durch andere Prioritätensetzung
  2. b) Landesprogramm „Aktive Kernbereiche Hessen“
  3. c) Landesprogramm „Verkehrsinfrastrukturförderung Hessen“
  4. d) Landesprogramm „Hessischer Investitionsfonds“ (u. a. Verkehrsinfrastruktur)
  5. e) Bund-/Länder-Programm „Stadtumbau West“
  6. f) Bundesprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“

 

  1. Schlussbetrachtung

Es gilt, eine Verkehrsentwicklungsstrategie festzulegen, die sich – aufgrund der vorgegebenen städtebaulichen Strukturen – nur aus einer Vielzahl von Einzelprojekten zusammensetzen kann.

Diese Strategie muss zukunftssicher, finanzierbar und entsprechend einer Prioritätenliste kurz- bis mittelfristig umsetzbar sein.

Hierbei gilt es einerseits einen Spagat zwischen guter Erreichbarkeit des Zentrums für den Zielverkehr hinzubekommen und andererseits den Querungs-/Durchgangsverkehr herauszuhalten, um den Stadtkern attraktiver zu machen.

Zwingende Voraussetzung hierfür ist, dass ein kapazitätsmäßig ausreichendes öffentliches Parkraumangebot, welches aufgrund seiner zentralen Lage eine fußläufige Erreichbarkeit der Fußgängerzone/Altstadt ermöglicht, vorgehalten wird.

Zu den entsprechenden Themenfeldern hat die AG Verkehr Vorschläge wie zuvor ausgeführt erarbeitet. Diese sollen den städtischen Gremien als Anregung dienen, die verkehrstechnisch notwendigen Veränderungen zügig in Angriff nehmen zu können.

Damit Bürgerbeteiligung kein Schlagwort bleibt, wird abschließend angeregt, ein Stimmungsbild der Bürger, Anwohner und Gewerbetreibenden einzuholen. Dies sollte mit der Aufforderung an die Bürger verbunden sein, sich zunächst online an der Verkehrsentwicklungsstrategie zu beteiligen und eigene Vorschläge zu machen, Hinweise, Anregungen und Informationen zu geben.

Idstein, im August 2016*

 

Für die AG Verkehr:

Clauss Tiemeyer                         Gert-Dieter Wolle                         Walter Duy