Fridays for Idstein?

Fridays for Idstein ?  

Es wird Zeit, nicht alle Entscheidungen der Mandatsträger widerstandslos hinzunehmen

 

Den existenzbedrohenden Gefahren des Umwelt- und Klimawandels werden sich immer mehr Menschen bewusst. So auch in Idstein, als rd. 500 Bürger*innen im Rahmen der Fridays for Future Aktionen gegen die Zerstörung ihrer und unser aller Lebensgrundlagen und für die Bewahrung unseres Planeten Erde demonstrierten. Auf der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus forderten sie die kommunalpolitisch verantwortlichen Mandatsträger u.a. auf, „die Maßnahmen im fortgeschriebenen Klimaschutzkonzept für Idstein endlich umzusetzen“. Denn schon lange geht es nicht mehr nur um die Zukunft. Es geht bereits um die Gegenwart.

 

Angesichts der dramatischen Umweltveränderungen ist es höchste Zeit für ein Umdenken und aktives Handeln von Politiker*innen nicht nur europa- und bundesweit, sondern vor allem auch auf kommunaler Ebene. Es muss Schluss sein mit der permanenten Naturvernichtung (Flächenverbrauch) zu Gunsten der Ausweisung neuer Baugebiete, der weiteren Zerstörung des einst die Altstadt umgebenden Grüngürtels, von Frischluftschneisen, von innerstädtischen Grün- und Blühflächen, der Vernichtung kleiner grüner Oasen (z.B. Schotter und verrostetes Eisen anstatt Blumenbeete in Kreiselzentren) und des massiven Holzeinschlags in städtischen Waldgebieten. Hierbei darf der Bürger nicht mehr das Gefühl haben, in Entscheidungen einbezogen zu werden (Bürgerbeteiligung), nur um dann im Nachhinein festzustellen zu müssen, dass trotz seiner Bedenken die Karawane im politisch gewollten Sinne weiterzieht.

Wir fordern deshalb unsere lokalen Politiker auf, umweltbewusster zu denken und zu handeln! Es darf kein „zurück zum normalen Tagesgeschäft“ geben!

 

Und sie, liebe Mitbürger, reagieren Sie bitte vehementer, wenn lokalpolitische Entscheidungen nur Einzelinteressen bedienen und zu weiteren Umweltzerstörung führen könnten. Stahl und Beton werden uns nicht erträgliche Temperaturen und Sauerstoff bringen. Im Gegenteil.

Greta und ihre Generation, also unsere Kinder und Enkel, werden Ihnen nicht nur dafür danken – sie erwarten es auch von Ihnen.

 

Nachfolgend ein zum Thema passender Leserbrief von BI-Mitglied Clauss Tiemeyer. Er wurde im Wiesbadner Kurier veröffentlicht.

 

Ökologisch unverantwortlich

 

Angesichts dramatischer Umwelt- und Klimaveränderungen geht es insoweit nicht um gleiches Recht (die Stadt Taunusstein hat 31 Neubaugebiete vorgesehen, um Menschen die bauen wollen dieses Recht auch einzuräumen), sondern darum, den Flächenverbrauch zu bekämpfen. Bereits heute werden in Deutschland „täglich“ rd. 700.000 qm (!) und in Hessen rd. 30.000 qm (!) Natur für Straßen- und Siedlungsbau zubetoniert und unwiederbringlich zerstört.

Hierbei handelt es sich oftmals um beste landwirtschaftliche Flächen, die dieser entzogen werden oder um Flächen, die als Naherholungsgebiete der Bevölkerung dienen und von dieser dringend benötigt werden. Letzteres speziell in einer Metropol-Region (Rhein-Main), in der bereits heute schon rd. 1.600 Menschen pro qkm leben, Menschen die täglich aggressiver werden, in der die Infrastruktur (speziell Verkehr) mit jedem weiteren Neubaugebiet zunehmend kollabiert, in der bereits heute schon die Wasserversorgung der Menschen primär nur noch durch Fremdbezug bzw. Abpumpen von Wasser aus dem Vogelsberg-Spessart, dem Hessischen Ried und Rheinwasser sichergestellt werden kann und, und….

 

Vor diesem Hintergrund ist eine weitere großflächige Ausweisung von Neubaugebieten in Ballungsräumen – die neben der Stadt Taunusstein nahezu durch alle Städte und Gemeinden im Rhein-Main-Gebiet in teils erschreckendem Ausmaß erfolgt oder in der Planung sind – ökologisch unverantwortlich und auch ökonomisch kritisch zu hinterfragen. Weder verfängt das Argument des Siedlungsdrucks (gab es schon immer – wo soll das enden?) noch, dass nur mit mehr Steuerzahlern die teure Infrastruktur bezahlt werden kann. Ist es doch gerade die Bevölkerungszunahme, die die Kosten für die technische und soziale Infrastruktur der Kommunen exorbitant in die Höhe treiben lassen.

 

Wir alle müssen erkennen, dass bei einem „weiter so“ in Bezug auf Umwelt (Flächenverbrauch) und Lebensweise, wir mit jedem neuen Tag unsere eigene Lebensgrundlage ein weiteres Stück zerstören.

Bauvorhaben Hoeherhof

Bauvoranfrage Höerhof

Was bedeutet die Umwidmung von bestehendem Wohngebiet in ein Mischgebiet ?

 

 

Ausgangslage:

Die Betreiber des Hotel/Restaurant „Höerhof“ möchten ihren Hotelbetrieb um ca. 50 Betten erweitern.

Ein entsprechend großer Anbau soll unmittelbar neben dem historischen Hotelgebäude errichtet werden.

Das sehr schöne und wertvolle Gebäude, ein Publikumsmagnet für alle Besucher und Touristen, liegt in einem besonderen Wohngebiet, in dem auch die Altstadtsatzung gilt. Grundsätzlich ist die Erweiterung des Hotels in einem besonderen Wohngebiet möglich.
Bebauungsplanänderung aus dem Nichts:

 

Ohne erkennbare Erfordernis ist nun eine Änderung des Bebauungsplans für das Gebiet Höerhof/Altstadtgärten zu einem Mischgebiet

(50/50 Gewerbe-/Wohngebiet) beschlossen worden.

 

Daraus ergeben sich weitreichende Folgen:

 

  • Ansiedlung von Gewerbebetrieben auf dem umliegenden Gelände, um die erforderlichen 50% zu erreichen. Dies bedeutet in der Folge auch weniger Platz für neue Wohngebäude.
  • Auf Wohngebiete ausgerichtete Lärmschutzwerte fallen innerhalb des Bebauungsplanes weg. Dafür ist eine deutlich lautere Beschallung der Nachbarschaft durch Handwerksbetriebe, sowie durch die auf dem neuen Hotelanbau geplante Dachterrasse mit Bar, zu erwarten. Bauliche Vorkehrungen zum Schutz der angrenzenden Altstadtbebauung und dem gegenüberliegenden Gänsberg wurden nicht beschlossen.
  • eine verstärkte Belästigung der Anwohner durch LKW-Verkehr, z. B. Müllwagen und Anlieferverkehr, sowie wesentlich erhöhte PKW-Frequenz durch die neue Hotelgröße ist zu erwarten.Welchen Vorteil Politiker und Verwaltung darin sehen ist der BI schleierhaft! Hat es mit einer insgeheim schon geplanten Bebauung der angrenzenden Altstadtgärten zu tun?

 

  • Wird somit die Wohnqualität der Idsteiner Bürger erneut außer Acht gelassen? Nur, um das attraktive, gewinnbringende Areal interessierten Investoren zu öffnen? Weitere Ungereimtheiten und Risiken:
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  • Eine Tiefgarage für die benötigten PKW-Stellplätze wurde nicht geprüft, obwohl der Faulschiefer leicht auszubaggern wäre. Stattdessen wird ein hoher Flächenverbrauch für Außenparkplätze festgeschrieben.
  • In der Folge der nun eingeleiteten Verfahrensweise verlieren die Altstadtgärten und Teile des Escher Bogens ihren Status als erhaltenswertes Biotop !!!
  • Es gibt keine der Öffentlichkeit bekannten Bauplanungen, d. h., insbesondere keine Festlegung für Kubatur und Gestaltung des „Anbaus“. Ist also erneut ein Block à la „Hoch 7“ zu erwarten?
  • was passiert, wenn die Höerhofbesitzer (gegen alle Nachbarn und Bürger Idsteins) ihren Freiraum für die Planung nutzen, um dann das Objekt an einen Investor zu verkaufen, der mit viel Geld die planerischen Grenzen (z. B. +100 Betten oder noch mehr) voll ausreizt? Daraus ergeben sich vier Forderungen der BI:
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  • der Höerhof und die Obergasse als Kernteil der Altstadt müssen auch weiterhin den Schutz der Altstadtsatzung genießen; das Wohngebiet ist unantastbar!
  • der Flächenverbrauch sollte durch den Bau einer Tiefgarage minimiert werden!
  • das neue Gebäude muss zur Erhaltung des Erscheinungsbildes der Altstadt an den historischen Höerhof angepasst werden!
  • die Stadt sollte die Betroffenen (Höerhof und Nachbarn) an einen Tisch bringen, um eine einvernehmliche Lösung zu erarbeiten! Es ist noch nicht zu spät. Helfen Sie mit und lassen sie uns für eine Lösung im Interesse der Altstadt und aller Idsteiner Bürger eintreten.